Drucken

OO-Cup und Bubo-Cup 2016

Ein Bericht von Gritta
Zuerst dachte ich, er macht Witze, aber Matti meinte das ernst! In den Sommerferien möchte er zum OO-Cup. Sport in den Ferien? Im Urlaub?? In Österreich, Italien und Slowenien??? Aber wir sind Camper, mich kann nichts schocken. Und da seine Schwestern Marie und Merle auch mitmachen wollten und er seinen Vater Gerrit sowieso immer auf seiner Seite hat, stand schon Anfang des Jahres fest: Wir fahren zum OO-Cup! Nicht genug: Damit es sich lohnt, hängen wir natürlich auch noch den Bubo-Cup in Kroatien dran.

 

Wie aufregend! 1. Tag, Villach, 8 Uhr, in Laufklamotten bereit, keine Ahnung, was uns bei solch einer Riesenveranstaltung erwartet. Die rief auch schon jemand von hinten: „Hallo Matti!“ Krass! Einige bekannte Gesichter begegneten uns im Laufe des Tages. Und so verflog schnell die Scheu, vor allem als wir sahen, dass Orientierungslauf außerhalb Deutschlands genauso funktioniert wie im Steinberger Wald. Matti landete in seiner H 12 im guten Mittelfeld und Merle und Marie belegten gleich mal Rang eins und zwei (W 10 shadowed). Wahnsinn!
Also ging es weiter nach Slowenien. In Planica direkt unterhalb der Skisprung- und -flugschanzen geparkt wurden wir mit Bussen nach Italien ins Wettkampfgebiet gebracht. Wir waren begeistert, wie gut das alles organisiert war! Das Gelände wurde schwieriger, aber vor wunderschöner Kulisse an den Lagi di Fusine von den Kindern gut bewältigt. Jetzt nach Tag zwei und drei fühlten wir uns schon richtig zugehörig, und die Aufregung legte sich etwas. Für die Veranstalter begann mit Tag vier in der Nähe von Bohinjska Bistrica jedoch die spannendste Zeit. Wladimir Putin hatte sich angekündigt. Nicht zum Orientierungslaufen, aber für einen Besuch einer russischen Kapelle ganz in der Nähe. Dafür schwebte er mit dem Heli in Kranjska Gora ein und verursachte Straßensperren und Verkehrschaos. Zeitpläne und Startzeiten wurden laufend geändert, aber wieder klappte die Organisation reibungslos. Auf ihrer Internetseite schrieben die Veranstalter vom „merkwürdigsten und herausforderndsten Ereignis in der OO-Cup-Geschichte“. Aber der Lauf selber war ganz wunderbar. Mit dem Sessellift wurde man zum Start gefahren und dann ging es nur noch abwärts. Easy. Die Erwachsenen hingegen hatten teilweise eine Mörderstrecke zu bewältigen. Vom Start zum Posten eins allein ging es erst mal gefühlt kilometerlang bergauf. Wir waren sehr beeindruckt.
Ohne weitere Vorkommnisse ging dann auch Tag fünf über die Bühne und unser erster OO-Cup war vollbracht. Stolz waren wir auf unsere Kinder (Matti 17., Merle 3., Marie 4.) und erleichtert, dass alles geklappt hatte.

Zwei Tage Freizeit, dann hieß es auch schon „Antreten zum Bubo-Cup“. Auf der kroatischen Insel Cres sollte vier Mal gelaufen werden. Die Veranstaltung war mit unter 500 Teilnehmern deutlich kleiner als der OO-Cup zuvor (ca. 1800 Läufer). Der erste Lauf fand vor den Toren der Inselhauptstadt Cres statt und führte durch einen von Steinmauern und -haufen durchsetzen Olivenhain. Es ging, wie auch an den folgenden Tagen dann, früh los. So war es "nur heiß", aber nicht so brütend wie später dann am Nachmittag. Wo man auch hinhörte, alle waren begeistert vom Gelände. Über die Steinfelder oder durch die Disteln? Das war die Entscheidung des Tages. Marie gelang der Lauf am besten, sie belegte Platz eins.
Die folgenden Tage wurde dann im Steineichenwald an der Nordspitze der Insel gelaufen. Dafür musste man für zweieinhalb Kilometer eine kleine schmale Schotterstraße hochfahren, die wir unserem armen neuen Wohnmobil auch einmal zugemutet haben. Links und rechts zerkratzt parkten wir die anderen Tage lieber unten und planten zeitlich den Aufstieg mit ein. Freundlicherweise wurden wir meistens von anderen Teilnehmern mitgenommen, so nötigte uns regelrecht einmal ein Ukrainer zum Einsteigen, der weder der deutschen noch der englischen Sprache mächtig war. Wieder einmal wurde uns auf unserer Reise vor Augen geführt, dass OLer eine riesengroße Familie bilden und wir jetzt offensichtlich ein Teil davon geworden sind. Zum Beispiel haben wir uns mit einem Pärchen aus Neukaledonien (das liegt in der Südsee!!!) angefreundet und werden dessen Einladung dorthin auch ganz sicher Folge leisten! Stéphanie und David waren so herzliche Leute, die vor allem die Kinder so sehr in ihr Herz geschlossen hatten, dass diese etwa eines Abends in ihrem Wohnmobil saßen und einen Spielfilm auf Französisch ansahen und mit bretonischen Crepes versorgt wurden.
Plötzlich wurde es jedoch noch einmal ernst. Völlig überraschend gewann Matti den 3. Lauf und rückte damit auf Platz drei der Gesamtwertung vor. Jetzt hatte er Blut geleckt: Der Platz sollte am letzten Tag unbedingt verteidigt werden. Marie lag in ihrer Kategorie auch vorn, sowie Merle auf einem fantastischen dritten Platz. Somit gaben alle am Ende nochmals alles und die drei konnten alle Platzierungen halten!! Also blieben wir dieses Mal noch für die Siegerehrungen; Matti wurde mit einer schönen Medaille geehrt. Leider galt die W 10-shadowed nicht als Wertungsklasse und wurde deshalb nicht geehrt, worüber besonders Marie sehr traurig war. Nicht nur deshalb musste ich ihnen versprechen „Wir kommen wieder!!“
Ja, OL im Urlaub hat sich bewährt. Um ehrlich zu sein, war ich noch nie so entspannt im Urlaub wie dieses Mal. Morgens ein bisschen laufen, mittags schon auf der Liege. Zeit für wandern, Schwimmbad oder Kultur. Dazu viel familiäres Flair in der Womo-Wagenburg. Französische Jungs spielen abends ein Trompeten-Saxophon-Konzert, die Engländer haben eine lange Tafel aufgebaut. Und wir sitzen mit unseren neuen neukaledonischen Freunden an Maries und Merles Geburtstagskaffeetafel. Ein Traum! Bepackt mit vielen Flyern für Veranstaltungen über Silvester, Ostern oder auch in den nächsten Sommerferien kamen wir heim, und die Entscheidung ist wahrscheinlich schon gefallen: Nächstes Jahr geht es wohl nach Schottland. Natürlich zum Orientierungslauf. Die Leidenschaft hat jetzt wohl auch die Mama gepackt……..